Integration in ländlichen Regionen

Die Themen Zuwanderung und Integration sind überwiegend großstädtisch geprägt. Ländliche Räume spielten bislang sowohl in der öffentlichen politischen Debatte als auch in der Integrationsforschung eine untergeordnete Rolle. Erkenntnisse über Zuwanderer und deren Lebenssituation in kleineren kommunalen Einheiten sind zumeist nur punktuell vorhanden, etwa bezogen auf die Situation einzelner Gemeinden oder speziell für die Gruppe der (Spät-)Aussiedler.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels findet jedoch eine zunehmende Beschäftigung mit dem Thema Integration in fast allen Kommunen des ländlichen Raums statt. Während der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund in ländlichen Räumen mit 11,6 Prozent im Vergleich zu Agglomerationsräumen mit einem Anteil von 23 Prozent vergleichsweise niedrig ist, sind die Folgen von Bevölkerungsrückgang und demograf- ischem Wandel jedoch bereits deutlich spürbar. Durch den „Druck der Demografie“ erkennen Kommunen zunehmend, dass die Funktionsfähigkeit des Gemeinwesens und der örtlichen Infrastruktur vom Zuzug neuer Personen und von der Aktivierung bislang ungenutzter Potenziale abhängt. Das gilt sowohl für den örtlichen Arbeitsmarkt, der vielfach vom Fachkräftemangel betroffen ist, als auch für viele ehrenamtliche Strukturen wie Kirchengemeinden, freiwillige Feuerwehren, Vereine, etc.

Im Wettbewerb der Kommunen um Einwohner und qualifizierte Fachkräfte ist es not- wendig, die Bedingungen für Integration in Kommunen des ländlichen Raums zu ver- bessern und eine Anerkennungs- und Willkommenskultur zu fördern. Probleme für Mi- granten in ländlichen Räumen ergeben sich beispielsweise durch eine geringere Dichte von Integrationsangeboten bei gleichzeitiger Ausdünnung des öffentlichen Personen- nahverkehrs sowie dem Fehlen von Netzwerken.

Unterschiedliche Handlungsspielräume der Kommunen im Bereich Integration ergeben sich dabei nicht nur im Vergleich zu Agglomerationen, auch die Heterogenität ländlicher Räume hinsichtlich Größe, Lage und Stellung im politischen Gefüge schaffen unter- schiedliche Rahmenbedingungen. Ein besonderes Augenmerk gilt hierbei struktur- schwachen Kommunen im ländlichen Raum, welche durch Bevölkerungsabnahme und Alterung sowie fehlenden Fachkräften verstärkt geprägt sind. Vor allem Regionen in den östlichen Bundesländern, aber auch in Nordhessen, Südniedersachsen, Nordfranken und dem Saarland sind durch Strukturschwäche und Schrumpfungsprozesse gekennzeichnet. In Zeiten kommunaler Finanzknappheit  und dem Status einer freiwilligen Leistung, ist Integration stets der Gefahr einer unzureichenden Ressourcensicherung ausgesetzt.

Mit den auf dieser Homepage vorgestellten Projekten möchte die Schader-Stiftung einen Beitrag leisten, das Thema Integration und Zuwanderung in ländlichen Räumen näher zu beleuchten und die Lücke in der Integrationsforschung ein weiteres Stück zu schließen.

Mit konkreten Handlungsempfehlungen und einer Begleitung auf dem Weg zur interkultur- ellen Öffnung soll den Kommunen ferner eine Handlungs- und Orientierungshilfe an die Hand gegeben werden, wie sie den begonnenen Perspektivwechsel in der Integrations- politik von der Defizit- zur Ressourcenorientierung erfolgreich gestalten können.