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Über die Möglichkeit der „Integration mit geringen Ressourcen“ diskutierten im Rahmen der Fachtagung „Angebotsstrukturen für Integration im ländlichen Raum“ am 15./16. September im Schader-Forum in Darmstadt rund 200 Akteure aus Wissenschaft und Praxis aus dem gesamten Bundesgebiet. Die Fachtagung war ein Meilenstein im Rahmen des Forschungs-Praxis-Projektes “Integrationspotenziale in kleinen Städten und Landkreisen”, das die Schader-Stiftung seit Anfang 2009 durchführt. Die erste Halbzeit des Projekts sei vor allem wegen der unterschiedlichen Erfahrungen der teilnehmenden Städte und Landkreise „spannend und lehrreich“ gewesen, sagte Sabine Süß, Geschäftsführender Vorstand der Schader-Stiftung.

Das Projekt habe wichtige Impulse für die Integration gesetzt, das Thema sei vor Ort sichtbar geworden und habe jetzt mehr politische Aufmerksamkeit, so Paola Fabbri-Lipsch, Integrationsbeauftragte von Neu-Isenburg im Landkreis Offenbach.

„Schon aus Eigeninteresse sind wir als vom Strukturwandel betroffene ländliche Region auf Zuwanderung angewiesen und stellen deshalb Integration ins Zentrum unserer Politik“, so Michael Busch, Landrat des Kreises Coburg als Vertreter einer am Projekt teilnehmenden Kommune. Dabei komme es vor allem darauf an, klare politische Verantwortungsstrukturen für Integration zu etablieren und Integrations- und Beratungsangebote dezentral in den Sozialräumen zu verankern. Integration findet vor Ort in den Kommunen statt, betonte Dr. Michael Griesbeck, Vizepräsident im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Dies unterstrichen auch Dr. Heike Liebmann, Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS), und Dr. Ralf Zimmer-Hegmann, ILS - Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung, die das Projekt forschend begleiten. Auch wenn im ländlichen Raum mangelnde integrationspolitische Strukturen sowie schlechte Erreichbarkeiten und Mobilitätsdefizite wichtige Integrationshemmnisse darstellen, sei der gesellschaftliche Wille Grundvoraussetzung für gelingende Integration. Politik habe eine zentrale Vorbildfunktion: Wichtig sei vor allem, ob die Bürgermeister das Thema „Integration“ zu ihrer Sache machten.

Ein Potenzial des ländlichen Raums ist die soziale Nähe, „jeder wird gesehen“. Nähe ist aber häufig verbunden mit einer starken Kontrolle, die zur sozialen Ausgrenzung führen kann. Ministerialdirektorin Gabriele Hauser, für Integration zuständige Abteilungsleiterin im Bundesinnenministerium stellte fest, Vielfalt gehe zunächst mit einem Verlust von sozialer Bindung einher. Vertrauen müsse wachsen, deshalb seien gemeinschaftliche Aktivitäten wichtig für das Zusammenleben.

Ein offener Umgang mit den Problemen bei Intergruppenkonflikten verändere die Kleinstadtgesellschaft und könne Grundlage für positive Integrationsprozesse sein, berichtete Jörg Hüttermann, Konfliktforscher an der Universität Bielefeld, aus seiner Studie „Eskalations- und Integrationspotenziale in Kleinstädten der Einwanderungsgesellschaft“. Integration sei mehr als die Einbeziehung von zugewanderten Individuen in Schule, Beruf und Sozialstaat. Der Kulturanthropologe Prof. Heinz Schilling aus Frankfurt betonte, dass Menschen sich umso mehr mit einem Ort als Heimat identifizierten, je mehr Befriedigungsmöglichkeiten sie für sich in einem gegebenen Raum erkennen könnten.

„Sprache ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal des täglichen Rassismus in Deutschland“, so Hilal Sezgin, Publizistin und Buchautorin, in ihrem literarischen Beitrag. Über Sprache definiert sich Zugehörigkeit. Die Tagungsteilnehmer und –teilnehmerinnen waren sich einig, dass das Erlernen der deutschen Sprache von zentraler Bedeutung für die Integration ist.

Die ausführliche Lektüre zur Fachtagung finden Sie hier:

>> Dokumentation